Drei Problemfelder der Branche aus dem Alltag.
In vielen Projekten wiederholen sich dieselben Muster: KI ersetzt
Fachwissen, Accessibility erscheint nur als kurzer Sprint-Block,
Kritik wird als persönlicher Angriff gewertet, und pragmatische Fragen
nach Prozess oder Verantwortung bleiben unbeantwortet. Sogar bei
Leuten, die damit ihr Geld verdienen und sich selbst gerne als "Allys"
bezeichnen. Wir haben einen Kalender entwickelt, der täglich
eindrucksvoll zeigt, wie ein beträchtlicher Teil dieser Branche und
derjenigen Menschen ticken, die tagtäglich im Einsatz für die
Inklusion von Menschen mit Behinderung sind.
Kompetenz vs. Fassade
Viele Arbeiter*innen der Branche brüsten sich mit einem
CPACC-Zertifikat der IAAP und viele Auftraggebende verlangen das
von Barrierefreiheitsverantwortlichen. Die Fragen für dieses
Zertifikat sind mit Common Sense beantwortbar und um tatsächliche
Zugänglichkeit gehts darin aber gar nicht. Sie bewerben damit
wissentlich eine Kompetenz, die sie niemals unter Beweis gestellt
haben. LOL.
Abwehr statt Verantwortung
"Unter uns gesagt, sie braucht eigentlich eine Therapie" lästerte
einst ein Barrierefreiheits-Großmeister über eine blinde Kollegin,
die seine Arbeit kritisierte. Aber nicht nur dieser Herr vertritt
rückschrittige und behindertenfeindliche Verhaltensweisen. Sondern
zum Beispiel auch der Bitkom, dessen Mitglied große
Barrierefreiheits-Firmen sind, der das BFSG mit noch längeren
Fristen ausstatten wollte. ROFL.
Selbstbild vs. Wirklichkeit
Die Branche erzählt gern über sich, sie sei progressiv, inklusiv
und besonders reflektiert - immerhin arbeitet man ja für eine
gesellschaftliche Minderheit. In der Praxis kreisen aber
erschreckend viele Debatten um die Egos von Nichtbehinderten,
während behinderte Perspektiven nur dann willkommen sind, wenn sie
höflich, dankbar und monetär verwertbar bleiben. LMAO.
FAQ
Ist das
nur etwas für Accessibility-Spezialist*innen?
Nein. Die Inhalte sind so angelegt, dass auch alle anderen schnell
verstehen, wo Menschen mit Behinderung von ihren wichtigsten "Allies"
jeden Tag ausgenutzt werden und wie viel eigentlich nur eine
Performance ist, um gutes Geld in einer Compliance-Industrie zu
verdienen.
Was soll das? Ich fühle mich beleidigt!
Beim Realitätscheck-Kalender handelt es sich um ein Kunstprojekt. Mach
daraus, was du möchtest. Wenn hier ein Zitat von dir auftaucht, dann
darfst du dich kurz schämen und dann hinterfragen, was du da
eigentlich gesagt hast. Die Namen sind zum Zweck der
Nachvollziehbarkeit natürlich gekürzt, außer bei Träger*innen eines
öffentlichen Mandates während öffentlichen Aussagen.
Aber jeder
macht mal Fehler!
Richtig. Aber dann muss man auch dazu stehen und sie reparieren. Und
am besten macht man sie dann nicht nochmal. Und am besten vermeidet
man Fehler, indem man schaut, welche Fehler andere Leute schon gemacht
haben, und davon lernt. Dieser Kalender ist eine Sammlung solcher
Fehler. Es wäre also toll, wenn du sie weiterverbreitest, auch wenn du
hier vielleicht drin vorkommst.
Ertappt? Gern geschehen. Revanchiere dich!
Projekte wie dieses sind nur durch den freiwilligen finanziellen
Support von aktuell größtenteils Menschen mit Behinderung möglich.
Bitte unterstütze dieses und weitere Projekte mit einem kleinen
monatlichen Betrag, besonders wenn du nicht behindert bist und
verstanden hast, dass die Barrierefreiheitsbranche vor immensen
strukturellen Problemen steht und diese dringend unabhängig
beleuchtet werden müssen. Oder auch einfach so, denn Projekte wie
dieses kommen bei denen die Geld haben nicht so gut an.
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