365 Tage Branchenrealität

Der Kalender von und für Barrierefreiheits-Profis.

Jeden Tag ein neues Zitat zu digitaler Barrierefreiheit von nichtbehinderten, selbsternannten Expert*innen. Manchmal ableistisch, oft Quatsch, aber immer Kunst.

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Drei Problemfelder der Branche aus dem Alltag.

In vielen Projekten wiederholen sich dieselben Muster: KI ersetzt Fachwissen, Accessibility erscheint nur als kurzer Sprint-Block, Kritik wird als persönlicher Angriff gewertet, und pragmatische Fragen nach Prozess oder Verantwortung bleiben unbeantwortet. Sogar bei Leuten, die damit ihr Geld verdienen und sich selbst gerne als "Allys" bezeichnen. Wir haben einen Kalender entwickelt, der täglich eindrucksvoll zeigt, wie ein beträchtlicher Teil dieser Branche und derjenigen Menschen ticken, die tagtäglich im Einsatz für die Inklusion von Menschen mit Behinderung sind.

Kompetenz vs. Fassade

Viele Arbeiter*innen der Branche brüsten sich mit einem CPACC-Zertifikat der IAAP und viele Auftraggebende verlangen das von Barrierefreiheitsverantwortlichen. Die Fragen für dieses Zertifikat sind mit Common Sense beantwortbar und um tatsächliche Zugänglichkeit gehts darin aber gar nicht. Sie bewerben damit wissentlich eine Kompetenz, die sie niemals unter Beweis gestellt haben. LOL.

Abwehr statt Verantwortung

"Unter uns gesagt, sie braucht eigentlich eine Therapie" lästerte einst ein Barrierefreiheits-Großmeister über eine blinde Kollegin, die seine Arbeit kritisierte. Aber nicht nur dieser Herr vertritt rückschrittige und behindertenfeindliche Verhaltensweisen. Sondern zum Beispiel auch der Bitkom, dessen Mitglied große Barrierefreiheits-Firmen sind, der das BFSG mit noch längeren Fristen ausstatten wollte. ROFL.

Selbstbild vs. Wirklichkeit

Die Branche erzählt gern über sich, sie sei progressiv, inklusiv und besonders reflektiert - immerhin arbeitet man ja für eine gesellschaftliche Minderheit. In der Praxis kreisen aber erschreckend viele Debatten um die Egos von Nichtbehinderten, während behinderte Perspektiven nur dann willkommen sind, wenn sie höflich, dankbar und monetär verwertbar bleiben. LMAO.

Tipps für alle, die in der digitalen Barrierefreiheit arbeiten. Und jene, die sie beauftragen.

Sei kein Arsch!

  • Symbolische Compliance ist Unfug. Tu, was wirklich wichtig ist, und nimm den CPACC aus deinem LinkedIn-Namen raus.
  • Lass das mit der defensiven Kommunikation sein und rede auch mal Klartext. Aktuell ist das wichtiger denn je.
  • Übernimm Verantwortung für schlechte, lieblose Lösungen, und bilde dich immer weiter fort. Behinderte tun das auch.

Hör zu!

  • Menschen mit Behinderung posten viel auf Social Media. Lies dir das durch. Und dann sprich nicht für uns, sondern zeig unsere Beiträge.
  • Freunde dich mit uns Krüppeln an, statt uns so zu nennen. Aber nicht nur performativ.
  • Wir bekommen auch kein Geld dafür, um behindert durch die Welt zu gehen. Nicht alles muss also Geld für dich abwerfen.

FAQ

Ist das nur etwas für Accessibility-Spezialist*innen?

Nein. Die Inhalte sind so angelegt, dass auch alle anderen schnell verstehen, wo Menschen mit Behinderung von ihren wichtigsten "Allies" jeden Tag ausgenutzt werden und wie viel eigentlich nur eine Performance ist, um gutes Geld in einer Compliance-Industrie zu verdienen.

Was soll das? Ich fühle mich beleidigt!

Beim Realitätscheck-Kalender handelt es sich um ein Kunstprojekt. Mach daraus, was du möchtest. Wenn hier ein Zitat von dir auftaucht, dann darfst du dich kurz schämen und dann hinterfragen, was du da eigentlich gesagt hast. Die Namen sind zum Zweck der Nachvollziehbarkeit natürlich gekürzt, außer bei Träger*innen eines öffentlichen Mandates während öffentlichen Aussagen.

Aber jeder macht mal Fehler!

Richtig. Aber dann muss man auch dazu stehen und sie reparieren. Und am besten macht man sie dann nicht nochmal. Und am besten vermeidet man Fehler, indem man schaut, welche Fehler andere Leute schon gemacht haben, und davon lernt. Dieser Kalender ist eine Sammlung solcher Fehler. Es wäre also toll, wenn du sie weiterverbreitest, auch wenn du hier vielleicht drin vorkommst.

Ertappt? Gern geschehen. Revanchiere dich!

Projekte wie dieses sind nur durch den freiwilligen finanziellen Support von aktuell größtenteils Menschen mit Behinderung möglich. Bitte unterstütze dieses und weitere Projekte mit einem kleinen monatlichen Betrag, besonders wenn du nicht behindert bist und verstanden hast, dass die Barrierefreiheitsbranche vor immensen strukturellen Problemen steht und diese dringend unabhängig beleuchtet werden müssen. Oder auch einfach so, denn Projekte wie dieses kommen bei denen die Geld haben nicht so gut an.

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